Facebook verhöhnt seine Nutzer

Mittwoch, 14. Juli 2010

Dass es Facebook nicht so genau nimmt mit der Vertraulichkeit der Daten ist ja bekannt.

Schon beim Registrieren wird man in Schritt zwei aufgefordert, seine E-Mail-Adresse und sein E-Mail-Passwort einzugeben. Wer da nicht ganz wach ist, tippt die Daten gedankenlos ein. Ich habe mich immer gefragt, welche meiner Freunde sich von dieser "Aufforderung" ueberlisten liessen.

Seit heute teilt es mir Facebook auf meiner Startseite mit:

Kurz: "Von diesen Freunden haben wir Daten abgegriffen und wir sind sicher, dass sie das ueberhaupt nicht wollten".

Dass Facebook mein Passwort nicht speichert, ist an dieser Stelle nicht relevant. Die ueber den E-Mail-Account gesammelten Informationen werden gespeichert. Bei SPON kann man es nachlesen: Wie Facebook private Telefonbücher abgreift. Dort ist auch der geheime Link zu finden, wie man die Daten dort wieder loescht: http://www.facebook.com/contact_importer/remove_uploads.php.

Spannend in diesem Zusammenhang ist auch, dass wegen dieser Funktion kuerzlich ein Bussgeldverfahren eingeleitet wurde.

Update: Der geheime Link ist gar nicht so geheim. Wenn man auf den Link "Dein Passwort wird von Facebook nicht gespeichert", bekommt man ein Popup mit folgendem Inhalt:

Wir werden dein Passwort nach dem Import der Informationen deiner Freunde nicht speichern.

Wir können die E-Mail-Adressen, die du mithilfe des Importers hochgeladen hast, dazu benutzen, um dir bei der Vernetzung mit deinen Freunden zu helfen. Dies beinhaltet auch das Generieren von Freundschaftsvorschlägen für dich und deine Kontakte auf Facebook. Wenn du nicht möchtest, dass wir diese Informationen speichern, gehe bitte auf dieser Seite.

IPv6 I

Samstag, 10. Juli 2010

CameloT beschaeftigt sich erst seit 2010 mit dem Thema IPv6 in der Praxis.

Eins scheint klar: Es ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt um bei v6 einzusteigen. Moeglicherweise wird in 371 Tagen der IPv4-Adressraum aufgebraucht sein. So sieht es jedenfalls Hurricane Electric voraus.

Was das genau bedeutet, kann derzeit niemand vorhersagen.

Natuerlich bricht das Internet nicht an diesem Tag zusammen. Aber es wird mittelfristig einschneidende Auswirkungen auf die Vergabe-Policy haben, die daraufhin jeden Enduser treffen werden.

Wer Lust hat, bei IPv6 mitzumachen, kann sich bei Hurricane Electric eine Art Zertifikat besorgen. Damit kann man darlegen, wie weit man mit IPv6 vertraut ist.

Zu dem Zeitpunkt an dem ich dies schreibe bin ich "Enthusiast", aber ich versuche meinen Status weter zu steigern. Nun bin ich schon "Administrator", weil ich E-Mail ueber v6 empfangen kann. Und weil mein Mailserver natuerlich einen Reverse-DNS-Record besitzt, werde ich "Professional". Und weil meine DNS-Server bereits ueber v6 erreichbar sind, werde ich "Guru Questionnaire".

IPv6 Certification Badge for knarf

Aber zur hoechsten Stufe fehlt mir noch ein v6-Glue-Record in einer meiner Domains. Insgesamt wird das ein gutes Stueck Arbeit, weil jede Top-Level-Domain gewiss seine eigenen Prozeduren fuer diesen Vorfall haben wird. Derzeit sind nur 81% der TLDs v6-ready und es existieren gerade mal 2.767 v6-Glue-Records. Das ist insofern nicht bedrohlich, weil dieser Schritt nur dann unbedingt notwendig ist, wenn ueberhaupt keine v4-Connectity mehr verfuegbar ist.

Nun ist die Aufgabe, sicherzustellen, dass die Anforderungen fuer alle administrierten Domains und Netzwerke erfuellt sind. Dazu zaehlt auch jedes Heimnetzwerk. Jeder kann und sollte mitmachen. Es ist meist einfacher als man denkt.

v4 ganz aus dem LAN zu verbannen erscheint derzeit eher schwierig bis unmoeglich. Mein Drucker und mein SIP-Device koennen ueberhaupt kein v6.

Facebook: Whisky jetzt ohne Alkohol (II)

Dienstag, 6. Juli 2010

Nicht nur Apple macht staendig Schlagzeilen mit ihren fragwuerdigen Bedingungen fuer Apps im AppStore, Facebook reiht sich nun offiziell ein. Der vorauseilende Gehorsam der Macher des Facebook-Spiels "GhostTrappers" hat nichts geholfen. Siehe hierzu mein Blogpost von vor einem halben Jahr: Facebook: Whisky jetzt ohne Alkohol. Sie bekamen dennoch eine Abmahnung:

"Your application must not contain liquor, beer, wine or other alcoholic beverages (unless the appropriate Demographic Restrictions are used), or sale of tobacco products, ammunition and/or firearms. (Section IV.A.4 of the Developer Principles and Policies). We understand you have added a disclaimer that states the drinks are non-alcoholic, but unfortunately, your changes still are not in compliance with our policy. If your in-game beverages are designed and named after alcoholic drinks, any reasonable user will make the connection between your content and those drinks. This beverage design includes, but is not limited to, martini glasses, shot glasses, vodka bottles, and any other container designed primarily for alcohol."

Zur Erinnerung: In dem Spiel dienen Whisky-Flaschen oder Cocktail-Glaeser als "Munition" um virtuelle Geister zu fangen. Das ist der gesamte Alkohol-Bezug. In World of Warcraft (das Spiel ist ebenfalls ab 13, wie Facebook auch) muss man sturzbesoffen 65 Meter tief fallen ohne zu sterben! Und das ist bei weitem nicht die einzige Aufgabe in diesem Spiel, in dem man sich selbst virtuell betrinken muss, um Erfolge zu erzielen. Das Betrunkensein in WoW wird zudem noch durch einen verschwommenen Bildschirm untermalt, die Spielfigur kann nicht mehr gerade laufen und im Chat werden Buchstaben vertauscht. Und das beste ist: Der Rausch ist nach wenigen Minuten einfach wieder vorbei!

Diese im Prinzip relativ unbedeutende Story ist symptomatisch fuer so viele ungeloeste Probleme in der globalisierten digitalen Welt. Eins ist jedoch sicher: Bevormundung ist definitiv keine Loesung!

Nervige Anrufe von 060748086065

Donnerstag, 17. Juni 2010

Seit Wochen bekomme ich regelmaessig Anrufe von der 060748086065. Sobald man abhebt, wird aufgelegt. Laut http://www.tellows.de/num/060748086065 gehoert die Rufnummer einem "Fachverlag für Computerwissen". Naja, ich werde nicht zurueckrufen und nachfragen.

Stattdessen werde ich mich wohl endlich um eine neue Telefonanlage kuemmern. Diese werde ich so konfigurieren, dass es nur klingelt, wenn die Rufnummer in einer Whitelist steht. Unbekannte Anrufer werden auf einen hoeflichen aber bestimmten Anrufbeantworter geleitet und duerfen eine Nachricht hinterlassen. Anrufer ohne Rufnummernuebermittlung bekommen einen unhoeflichen, dafuer umso bestimmteren Anrufbeantworter und duerfen keine Nachricht hinterlassen. Wer anonym kommunizieren will, kann das gerne tun, nur eben nicht mit mir.

Der Spam-Anteil waehrend der Geschaeftszeit liegt bei gefuehlten 90%. Ich bin oft mehrmals taeglich damit beschaeftigt, Telefonverkaeufer abzuwimmeln. Kunden wissen ohnehin, dass sie mit einer E-Mail mehr erreichen. Der Faxeingang besteht eigentlich nur noch aus Spam, ich kann mich nicht mehr an das letzte erwuenschte Fax erinnern, das nicht -- zum Beispiel waehrend eines Telefonats -- angekuendigt wurde.

Hardware-Vorschlaege zur neuen Telefonanlage (ISDN, DECT, Analog-Fax, PC-Anbindung, aber ohne DSL-Modem und NAT-Router-Funktionalitaet) nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen.


Lesetipp: Tommy Jaud - Millionär

Donnerstag, 3. Juni 2010

Eigentlich bin ich ja nicht so der Bücherleser, aber ab und zu packt es mich dann doch.

Von Tommy Jaud habe ich nun schon drei Bücher gelesen: Vollidiot (wurde später auch verfilmt), Resturlaub und zuletzt eben Millionär. Es geht immer um einen jungen Mann, der irgendwie versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Man ertappt sich immer wieder dabei, dass es einem ähnlich ergeht, obwohl man das natürlich nie offen zugeben würde. Vor allem aber brachte mich Millionär dazu, beim Lesen immer wieder laut zu lachen und darum kann ich es nur wärmstens empfehlen.

Millionär: Der Roman

Mein Exemplar gebe ich gerne weiter, aber das Taschenbuch gibt es auch preiswert bei amazon. Ich hoffe, die Werbeeinblendung ist nicht zu aufdringlich, ich bitte um Kommentare.

Was kommt nach NullNeun?

Mittwoch, 5. Mai 2010

Ist doch klar, NullZehn!

Klick macht groß. Es wird echt Zeit für ISO-8601.

08004739126 - Der Bund der Steuerzahler?

Montag, 3. Mai 2010

Gerade bekam ich einen Anruf von der 08004739126. Die freundliche Dame meldete sich mit "Bund der Steuerzahler" und verlangte die Geschäftsleitung. Ich sagte ihr sofort, dass ich ihr nicht glaube, dass Sie die Wahrheit sagt, denn ich stehe in keiner Beziehung mit dem Bund der Steuerzahler und glaube auch kaum, dass dieser kalte Anrufe tätigt. Sie wünschte mir rasch einen schönen Tag und dachte wohl damit sei die Angelegenheit erledigt.

Rasch fand ich die Seite 08004739126.de. Das Impressum scheint eine Kopie vom Impressum von steuerzahler.de zu sein, doch die Seite hat keinen Link auf die offizielle Domain steuerzahler.de. Sehr merkwürdig. Der Domaininhaber ist auch nicht der Bund der Steuerzahler, sondern offenbar ein Callcenter:

Domaininhaber:          Manfred Huber
Adresse:        DDM Deutsche DialogMarketing GmbH
Rosenheimer Str. 139
PLZ:    81671
Ort:    Muenchen
Land:   DE

Letzte Aktualisierung   08.03.2010

Ein Anruf beim Bund der Steuerzahler in Berlin brachte zutage, dass ich nicht der einzige war, der sich heute diesbezüglich gemeldet hat, aber die freundliche Dame am Telefon wollte nicht ausschließen, dass es sich hierbei um eine "externe Mitgliederbetreuung" handeln könnte, obwohl ihr bewusst war, dass ich kein Mitglied bin. Sie werde sich darum kümmern, notierte sich die 0800-Rufnummer, fragte aber nicht nach meinen Kontaktdaten, hat also offenbar kein Interesse daran mir eine Rückmeldung zu liefern, aber sie meinte auch, sie sei für die Angelegenheit "nicht wirklich zuständig".

Die Frage ist nun: Steht der Bund der Steuerzahler in einer Geschäftsbeziehung mit der DDM Deutsche DialogMarketing GmbH? Wenn ja, warum existiert überhaupt die Domain 08004739126.de und warum ist diese nicht auf den Bund der Steuerzahler registriert und warum hat die Webseite keine Links auf die offizielle Seite www.steuerzahler.de? Das traurige ist, dass man sich diese Fragen überhaupt stellen muss, also nicht sagen kann "Keine seriöse Firma bzw. kein seriöser Verein würde einen Internet-Auftritt unter einer fremden Domain dulden".

Ich kann nur darauf verweisen: SSL-Zertifikate müssen nicht teuer sein. Und man braucht auch keine 100 Domains unter denen man nach außen auftritt, es reicht eine. Youtube, was tätet ihr ohne ytimg.com? Oder was wäre Facebook ohne fbcdn.net? Achso, dass die Domain zum Anbieter gehoert, "sieht man doch", genau wie bei paypa1.com, oder?

Microsoft Fix it Center

Mittwoch, 21. April 2010

Ich bin ja immer auf der Suche nach Windows-Software, die endusertauglich ist und mir irgendwie Support-Anfragen vom Hals haelt. Die wohl beste Software des letzten Jahres ist Secunia PSI (Personal Software Inspector). Die User werden mittelmaessig aufdringlich ueber unsichere bzw. veraltete Software informiert und das Aktualisieren wird auf Wunsch sinnvoll unterstuetzt (etwa durch einen Link auf den Direktdownload beim Hersteller).

Nun wagt Microsoft den gefuehlten zehnten Anlauf, irgendwelche (meist hausgemachten) Probleme automatisiert zu loesen: Mit Microsoft Fix it Center soll diesmal alles gut werden. Ich hab's gleich mal unter Windows 7 installiert und als Administrator gestartet:

Falsche Fehlermeldungen bin ich ja gewohnt. Aber in ueblicher Microsoft-Manier enthalten Sie eigentlich immer die Woerter "Moeglicherweise" und "oder", um hoechstens ein bisschen falsch zu sein. Hier hat die Qualitaetssicherung nicht aufgepasst.

Mei war das noch schoen als mein Netscape "connection refused" sagte und ich gleich wusste, woran es liegt. Heute bekommt man angeboten, doch mal seine DHCP lease zu erneuern, vielleicht geht's ja dann.

Merkbefreiung

Freitag, 19. Februar 2010

Wie geht man eigentlich damit um, wenn Personen aus dem engsten Bekanntenkreis um eine Merkbefreiung betteln?

Person: "Ich war am Dienstag auf dem Viktualienmarkt, da lagen viele zerbrochene Bierflaschen herum, das ist ja soo gefaehrlich!"

Ich: "In Koeln wurden dieses Jahr die Rucksaecke der Besucher durchsucht und wer eine Flasche dabei hatte, musste bis zu 60 Euro pro Flasche bezahlen. Was ist Dir lieber, ein paar zerbrochene Bierflaschen auf dem Boden oder durchsucht zu werden und Gefahr zu laufen eine Strafe bezahlen zu muessen?"

Person: "Aber ich war doch in Muenchen, nicht in Koeln!"

Ich: "Ja, aber vielleicht machen Sie das naechstes Jahr bei uns genau so und durchsuchen einfach die Leute!"

Person: "Aber ich war doch dieses Jahr dort!"

Ich: "Also nochmal, was ist Dir lieber?"

Person: "Ich hatte doch ueberhaupt keinen Rucksack dabei!"

Das Zusammentreffen war damit beendet.

Netzsperren: Die nächste Runde

Montag, 25. Januar 2010

Dank der grossartigen FDP in der Bundesregierung wurde das Zugangserschwerungsgesetz ja aufgeschoben, welch grandioser Erfolg. Lasst uns feiern? Lieber nicht, ist dann doch zu peinlich.

Aber irgendwie ziehen die zerfetzten Kinder grad' nicht mehr. Zensursula hat ihr Amt als Familienministerin inzwischen geraeumt, dort sitzt jetzt so ein junges Ding, das ihre Doktorarbeit offenbar ungeniert von jemand anderem schreiben liess. Und bis die aus dem Schatten der grossen Frauen treten darf, vergeht wohl noch ne Weile.

Nein, nun muss der Jugendschutz her halten.

Ungeahnte Zensurmoeglichkeiten eroeffnet der Entwurf für eine Überarbeitung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV). Aber nicht nur das. Das deutsche Internet soll in einer Form beschnitten werden, die jegliche dynamische Weiterentwicklung vollstaendig blockiert. Wir haetten dann nicht mehr nur die absolut sinnfreie Stoererhaftung eines Internetanschlussinhabers sondern auch noch einen Zwang der Zugangsanbieter zur Inhaltsfilterung, ebenso wie die Pflicht der Hosting-Provider zur Ueberwachung der von ihren Kunden angebotenen Inhalte. Solche Ideen koennen nur aus Koepfen stammen, die keinen blassen Schimmer haben, wie das Internet funktioniert und warum es ueberhaupt so erfolgreich werden konnte.

Vielleicht wird es mal wieder Zeit, die abgenudelten Autobeispiele rauszukramen, die im Netz keiner mehr hoeren kann. Wenn die Bankraeuber mit dem Auto fliehen, ist weder der Autohersteller noch der Strassenbauer dran schuld, dass sie fliehen konnten. Und man zwingt auch keinen von beiden, mit zu helfen, dass sowas in Zukunft verhindert werden kann.

Doch lest einfach selbst: Bei ODEM.blog oder beim AK Zensur oder bei Thomas Stadler oder auch im Blog von 1&1. Oder auch bei Fefe.

Facebook: Whisky jetzt ohne Alkohol

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Es gibt bei Facebook ein Online-Spiel, ein Browser-Game. Da soll man im virtuellen Schottland Geister fangen. Als Munition im Spiel dienen verschiedene Sorten Whisky. Die heissen dann so wie Jimmy Stalker 10 y.o. oder Nessy's Golden Reserve.

Nun gibt es bei Facebook in den Regeln folgenden Absatz:

Du wirst keine externen Anwendungen entwickeln oder unterhalten, die Alkohol oder andere für minderjährige ungeeignete Inhalte enthalten, bewerben oder anderweitig vermarkten, ohne entsprechende Altersbeschränkungen einzuhalten.

Ich habe das schon vor einer ganzen Weile gelesen und habe mir gedacht, dass diese Passage eines Tages Auswirkungen auf das Spiel haben koennte.

Heute war es so weit: Hinter jedem Whisky steht nun folgender Disclaimer: All beverages in Ghost Trappers are non-alcoholic. was man mit einem "Okay" bestaetigen soll.

Ob das eine mit dem anderen direkt zusammenhaengt, vermag ich nach der aktuellen Informationslage nicht zu beurteilen. Der Verdacht liegt jedoch sehr nahe. Ueber das neue Feature gibt es derzeit keine offizielle Ankuendigung im News-Board. Das laesst vermuten, dass diese Aenderung stillschweigend vorgenommen wurde.

Facebook scheint enormen Druck auf die Drittanbieter auszuueben, die sie zu solch abstrusen Massnahmen verleiten. Die Forenmoderatoren sind bereits gehirngewaschen, auf den Hinweis eines Nutzers Nessy's golden reserve is non-alcoholic?!? that's nonsense!! bekommt er als Antwort How is that nonsense? It's fictional. Alles kein Problem, wenn Regeln so ungenau definiert sind dass sie derartige Kollateralschaeden anrichten und das nicht einmal kritisch hinterfragt, sondern auch noch verteidigt wird! Symptomatisch fuer eine Online-Generation, die Verstoesse gegen Facebook-Nutzungsbedingungen als "illegal" einstuft und in Kinospots "Raubkopierer" "Verbrecher" sind und im Gefaengnis landen. Wo soll das noch hin fuehren?

Rueckblick: Atari ST und die KGMD

Montag, 7. Dezember 2009

Vor ein paar Wochen habe ich im Rahmen meiner Alles-muss-raus-Aktion meinen letzten Atari-Computer zum Wertstoffhof gebracht. Ein TT030 mit BNC-Netzwerkkarte und 19-Zoll-s/w-Bildschirm. Das waren noch Zeiten. In diesem Blogeintrag will ich aufheben, was aus dieser Zeit noch uebrig ist.

Seit ein paar Jahren gibt es im Netz das Archiv der damaligen Zeitschrift ST-Computer, ST-Magazin, TOS, Happy Computer und andere. Ein guter Start fuer den Beginn einer kleinen Zeitreise.

Ich war 1995 einer der Internet-Vorreiter auf dieser Plattform und entwickelte eine Art Unix-Distribution: KGMD - Knarfs German MiNT Distribution (Original-Webseite von 1995). Man konnte seinen Atari mit Hilfe dieses Softwarepakets in einen unixartigen Computer verwandeln, X11R5 starten, via PPP oder gar SLIP online gehen und mit Mosaic im Web surfen. Hatte man noch andere unixartige Computer im Netz, konnte man den Atari auch prima als X-Terminal verwenden, die Bildschirmaufloesung 1280×960 in s/w war beeindruckend.

Printmedien sind ja wichtig fuer die Relevanz: Über die KGMD wurde sowohl in der ST-Computer, Ausgabe 09/95, Seite 26 bis 29 als auch in der c't, Ausgabe 10/95, Seite 43 berichtet.

Die ganzen Downloadlinks funktionieren nach so vielen Jahren nicht mehr, es gibt jedoch eine lokale Kopie unter http://www.knarf.de/KGMD/. Allein die Installationsanleitung liest sich aus heutiger Sicht durchaus interessant. Fuer die konsequente Verwendung des Deppenapostrophs schaeme ich mich ein wenig. :-)

Hier ist noch ein Link zur ST-Computer Insider News von 1995-06 mit ausfuehrlicher Wuerdigung der KGMD als Grund fuer "frischen Wind in der Atari-Welt".

Knapp vier Jahre spaeter, im Januar 1999 wird die KGMD immer noch erwaehnt.

Fuer mich war die Atari-Aera kurz nach dem Release von KGMD 1.0 vorbei. Die KGMD wurde unter SunOS 4.1.1 cross-compiled, aber die Preise der PC-Architektur trieben mich in die Haende von FreeBSD, damals noch mit Version 1.1.5.1 vom Juli 1994 bzw. 2.0.5 vom Juni 1995. Bis hin zu 8.0 im Dezember 2009.

Abenteuer mit Palm Pre

Montag, 7. Dezember 2009

Hier kommt meine abenteuerliche Story mit einem Palm Pre.

Schon vor ein paar Wochen hatte ich einen Palm Pre ausgeliehen, um ihn kurz zu testen. Die Notwendigkeit sich registrieren zu muessen um das Telefon in Betrieb zu nehmen hat mich schon gestoert. Aber dass das Teil auch noch ungefragt "Sicherungen" meiner Daten im Hintergrund vorgenommen hat und angeblich sogar die Daten, die ich via ActiveSync ins Telefon geholt habe, hat mich dazu bewogen den Test abzubrechen.

Gestern bekam ich abermals einen Palm Pre. Der Vorbesitzer bat mich doch bitte die Daten selbst zu loeschen. Nichts leichter als das dachte ich, das Menue ist zwar unter "Geraeteinfos" versteckt, aber dort kann man die Komplettloeschung veranlassen.

Doch was sehe ich, nach dem erwarteten Reboot hatte ich immer noch die Anrufliste, die Kontakte und Termine, E-Mail-Konten und deren E-Mails des Vorbesitzers drin. Ein weiterer Versuch der Komplettloeschung half nichts. Es war noch ein webOS 1.1.3 drauf, also dachte ich mir, updaten koenne nicht schaden. Hat zwar ne Weile gedauert, aber das Update auf 1.3.1 klappte einwandfrei. Doch die Komplettloeschung klappte immer noch nicht.

Auch das einzelne Loeschen von E-Mail-Konten ging zuerst nicht, immer wieder blieb es beim drehenden Kringel stehen. Erst nach wiederholten Versuchen gelang es mir, das POP- und Exchange-Konto zu entfernen, die Anrufliste konnte ich auch von Hand loeschen, aber die Verbindung zum Palm-Konto des Vorbesitzers laesst sich so nicht loeschen.

In der Zwischenzeit bat ich den Vorbesitzer doch mal die Fernloeschung des Palms zu starten. Dort wird einem die IMEI angezeigt und mitgeteilt, dass nun eine SMS geschickt wuerde, die das Fernloeschen anstossen werde. Eine SMS? An die IMEI? An die SIM, die derzeit im Geraet mit der IMEI steckt? Woher soll Palm diese Information haben? Oder einfach nur an die Telefonnummer des Vorbesitzers? Es steht nicht dort. Na wenn das mal gut geht.

Der Palm hatte keine SIM-Karte und war nur ueber WLAN mit dem Internet verbunden. Und "irgendwann" wollte der Palm nicht mehr booten, bleibt also stundenlang mit eine weissen "palm" auf schwarzem Grund einfach stehen. Ich weiss wirklich nicht mehr was ich vor dem letzten Reboot getan habe, wahrscheinlich mal wieder einen Komplettloeschungsversuch.

In einschlaegigen Foren fand ich zahlreiche Tipps zum Thema Hard Reset, aber nicht den ultimativen "Affengriff". Die Software webOS Doctor soll dieses Problem jedoch loesen koennen. Um den herunterzuladen, muss man die Seriennummer des Geraetes eintragen. Unglaublich diese Datensammelwut. Naja, unter Windows 7 startet das Java-Programm zwar und installiert auch irgendwelches Zeug (Novacomd), aber die Verbindung klappt einfach nicht.

Tja, nun haben wir also erfolgreich einen Palm Pre gebrickt. :-)

Update: Auch unter MacOS X macht der webOS Doctor einfach nichts. Besonders gelungen sind uebrigens die Hilfestellungen auf den Palm-Seiten. Ich habe ja das Problem, dass der Button "Weiter" einfach grau und damit nicht anklickbar bleibt. Palm hat DIE Loesung:

"Dies kann vorkommen, wenn Sie unter Windows XP das Tool die Gerätetreiber lädt. Dieser Vorgang kann beim ersten Mal bis zu 15 Minuten dauern. Während dieses Zeitraums ist die Schaltfläche Weiter deaktiviert.
Versuchen Sie es nach 15 Minuten noch einmal. Die Schaltfläche Weiter wird aktiviert, wenn die Treiber geladen sind."

Na klar doch. Ich bin ja auch zu bloed zu unterscheiden, ob da ein InstallShield gerade irgendwelche Treiber installiert und mir dabei wohlbekannte Fortschrittsbalken zeigt oder ob der webOS Doctor einfach ruhig vor sich hin wartet und einfach NICHTS passiert. 15 Minuten auf den Bildschirm starren und warten, wie stellen die sich ihre User vor? Aber es kommt noch besser: "Hinweis Wenn der Akkustand niedrig ist, wird der Akku bei der Wiederherstellung zunächst aufgeladen. Dies kann bis zu einer Stunde dauern."

Man hat moeglicherweise keine Ahnung, wie voll der Akku ist, eine Ladestandsanzeige existiert in diesem Notfallszenario natuerlich nicht. Als am besten mal ne Stunde und fuenfzehn Minuten warten, vielleicht klappt's ja dann? Welches Wort koennte hier besser passen als Facepalm!

Update: Auch andere hatten schon das Problem und haben damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht (englischsprachig):

Update: Hier ist eine Liste der derzeit bei Palm gesicherten Datensaetzen. Die mit webOS 1.3.1 eingefuehrten Cookies sind drin, das Dokument scheint also gepflegt zu sein (Date Modified: 11/18/2009). Ob nun die Daten aus einem Exchange ActiveSync mit einbezogen sind (oder jemals waren) geht nicht daraus hervor. Die derzeitige Ausgestaltung des Textes spricht jedoch eher dagegen, es handelt sich dabei wohl um einen "Online-Account" und diese scheinen von der Sicherung ausgenommen, lediglich die Zugangsdaten werden hinterlegt.

"Note All data backed up to your Palm profile is encrypted, and can only be accessed from your phone by you, the profile owner. There is no online data source or other location to view your Palm profile contacts, calendar, tasks, memos, or other items that are backed up to your Palm profile (see the following table). Additionally, Palm cannot access the backup copy of your Palm profile or other information." Hier ist also die Begruendung warum man online den Inhalt der Sicherung nicht einsehen kann. Es steht jedoch nicht explizit dort, dass die Daten auf dem Telefon ver- und entschluesselt werden. Nur dann koennte man das Backup ansatzweise als "sicher" betrachten. Welche beabsichtigten oder unbeabsichtigten Schwachstellen die Verschluesselungsmethode beinhaltet ist jedoch unbekannt. Bis dahin bleibt fuer Jedermann nur eine Option: Automatische Sicherung abschalten, gibt es bei webOS 1.3.1 im Menue.

Update: Am Dienstag war ich im o2-Shop und schilderte mein Problem. Der freundliche Mitarbeiter versicherte mir, dass ich in den naechsten Tagen Besuch bekommen wuerde. Und heute, zwei Tage spaeter kam der GLS-Mann mit einem Austauschgeraet. Nun ist alles wieder in Ordnung. Hat jemand Bedarf an einem Palm Pre? ;-)

SWIFT-Abkommen beschlossen

Dienstag, 1. Dezember 2009

Ich habe ja schon vor einiger Zeit das Thema aufgegriffen: Datenaustausch mit den USA. Also Austausch im Sinne von wir geben und sie nehmen. Die klassische Win-Win-Situation also.

Nun wurde gestern das SWIFT-Abkommen beschlossen. Aber interessanterweise nicht unterzeichnet.

Die Liberalen lehnten das Abkommen von Anfang an ab. Und nun sind sie enttäuscht. War's das mit dem Widerstand? Einfach mit dem Finger auf den CDU-Innenminister zeigen?

Handelsblatt-Kommentar: Westerwelle fällt um.

100 Tage sind noch nicht um, aber fuer Buergerrechtler koennte das die aufkeimende Hoffnung bereits wieder zerstoert haben, dass die FDP ihrer Rolle als notwendiges Gegengewicht zu SSchaeuble und Zensursula gerecht werden koennte.


FreeBSD 8.0-RELEASE ist da - jetzt aber wirklich!

Freitag, 27. November 2009

Nachdem die Meldung verfrueht schon bei Heise und Golem zu lesen war, was zu diverser Kritik fuehrte, nun auch hier: Vor etwa 24 Stunden wurde FreeBSD 8.0-RELEASE offiziell veroeffentlicht.

Fuer die Ungeduldigen gibt es die Highlights, fuer die Interessierten mit etwas Zeit zum Lesen: Die kompletten Release Notes. Darin sind auch die Aenderungen gegenueber 7.1 und 7.2 zu finden.

FreeBSD 8.0 macht Spass. Ich habe die letzten Tage, seit dem 8.0-RELEASE im cvs tree getagt war, damit verbracht die Maschinen in meinem Umfeld auf 8.0-RELEASE zu bringen. Zuerst die, die zum Test in einer voellig unwichtigen VMWare irgendwo rumduempelten, teilweise mit einem ueppig installierten ports-tree, um auch das Verhalten von den anstehenden portupgrade -f Massenaufrufen beurteilen zu koennen. Aber da war nichts.

Der eben erst aufgesetzte Kundenserver mit 8.0-RC3 machte das Update erwartungsgemaess problemlos mit.

Fuer den speziellen Fall, dass jemand lagg(4) zusammen mit em(4) verwendet: Es funktioniert nicht. Ich musste die schoenen Intel-Karten echt gegen Realtek-Schrott austauschen und schon war wieder alles beim alten. Der FreeBSD-Intel-Treiber wird von Intel persoenlich entwickelt. So aendern sich die Zeiten. Dranbleiben. Das muss eigentlich sofort in die ERRATA.

Fuer AMD-Xen-User: Das noetige Tuneable fuer AMD-Xens heisst hw.clflush_disable=1.

Spannend finde ich die Tatsache, dass die Verteilung des Interesses von i386 (32bit) und amd64 (64bit) im FreeBSD Torrent Tracker gleich verteilt erscheint.

Die aelteren unter uns mag interessieren, dass COM1: jetzt /dev/cuau0 heisst. Die Zeiten von mgetty, uucico und pppd sind leider lange vorbei. Wir haben jetzt uart(4) statt sio(4). Ob man nun einen 16550 oder einen 16550A hat, interessiert lange keinen mehr. Ich verwende tatsaechlich noch den apcupsd ueber die Serielle.

FreeBSD 8.0 ist das erste FreeBSD in dem der ZFS-Support nicht mehr als experimental gekennzeichnet ist (quasi seit dem Import von zfsv13). Ich habe ZFS in v6 mit unterdimensionierter Hardware (i386, wenig RAM, bisschen Gefummel an den tuneables) getestet und habe nicht zuletzt durch nicht ganz gewolltes Fehlverhalten ein desastroeses Ergebnis produzieren koennen. Seit v13 habe ich zwei amd64-Maschinen mit ausreichend RAM (8 und 16 GByte) mit zfs im Einsatz und es macht seit Wochen im Produktivbetrieb keinerlei Aerger. Snapshots werden intensiv genutzt: zfs-snapshot-mgmt ist ein toller port, aber auch das gute alte freebsd-snapshot laesst sich problemlos parallel einsetzen. Ohne wenigstens eines der beiden moechte ich am liebsten kein Unix-System mehr betreuen, anstaendig konfigurierte Snapshots (mit mount via amd, ich sage nur cd /snap/home:daily.0) sind echt ein Segen.

Da ja nun fdisk und mbr bald (also in ein paar Jahren oder so) ausgedient haben werden, ist dies nun auch der richtige Zeitpunkt, um sich mit gpt auseinanderzusetzen. Vor dreieinhalb Jahren kam ich mit meinem 2.4TiB 3ware-RAID5 zum ersten mal in die Verlegenheit. Da hiess das FreeBSD-Kommando noch gpt(8). Nun ist es gpart(8). Es wird die Zeit kommen in der man regelmaessig Festplatten mit >2TiB in den Haenden hat.

Ganz aktuell gibt es eine schoene Anleitung um FreeBSD mit gpt, zfsroot und ganz ohne ufs-Partition zu installieren: http://wiki.freebsd.org/RootOnZFS/GPTZFSBoot

Die ganze Aktion ist gewiss nichts fuer Leute mit einer Kommandozeilenaversion. Es bleibt abzuwarten wie lange es benoetigt, bis der aufgezeigte Pfad seinen Weg in sysinstall findet. Ich habe die Schritte nachvollzogen und habe nun in einer weiteren VMWare-Instanz ein GPT-ZFS-only-FreeBSD-8.0-RELEASE. Diese Installationsmethode koennte ich problemlos auf einem Hetzner-Server mit Hilfe des FreeBSD-Rescue-Systems durchfuehren. Bei 1&1 bleibt immer noch nur die Holzhammermethode: VMWare-Minimal-Disk-Image via ssh | dd auf die Platte schreiben und hoffen, dass es von der hoffentlich korrekt konfigurierten Seriell-Console bootet. Das mbrlabel kann man unter FreeBSD problemlos mit fdisk(8) auf die tatsaechliche Groesse aendern. Dass das auch mit gpart(8) geht, ist anzunehmen, aber mir liegen hierzu keine Erfahrungen vor...